Als GmbH-Mitgeschäftsführer nicht zuständig – und trotzdem haftbar

Häufig gibt es in einer GmbH zwei oder mehr Geschäftsführer, die Aufgabenbereiche werden aufgeteilt. Der eine ist beispielsweise für die Kundenbetreuung und die Präsentation des Unternehmens nach außen zuständig, der andere für Personal, Finanzen und IT.

Die Gesamtverantwortung für das Unternehmen tragen beide GmbH-Geschäftsführer dennoch gemeinsam. Diesen Punkt machen sich Geschäftsführer mit Ressortverteilung oft nicht ausreichend klar. Seine Brisanz zeigt sich, wenn die Geschäftsführung insgesamt für den Fehler eines Geschäftsführerkollegen zur Verantwortung gezogen wird – denn so ist die Rechtslage.

Glücklicherweise lassen sich diese Haftungsrisiken durch geeignete Maßnahmen deutlich verringern, etwa durch Compliance-Management-Systeme. Als Fachanwalt für Gesellschaftsrecht ist es mir wichtig, auf diesen Punkt hinzuweisen, wenn ich einen GmbH-Geschäftsführer in einer GmbH mit Ressortverteilung berate. Im Ernstfall büßt man in dieser Position schnell für fremde Fehler –möglicherweise mit dem gesamten privaten Vermögen.

Haftung nach zwei Seiten

Hat ein GmbH-Geschäftsführer eine Pflichtverletzung begangen, kann er unter verschiedenen Aspekten dafür haften:

  • einmal gegenüber der GmbH selbst (Innenhaftung) sowie gegenüber den Gesellschaftern
  • zum anderen gegenüber Dritten (Außenhaftung)

Typische Haftungsfälle

Gegenüber der GmbH als solcher macht sich der Geschäftsführer schadenersatzpflichtig, wenn er nicht die „Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmanns“ in den Angelegenheiten der Gesellschaft angewendet hat (§ 43 GmbHG).

Dem Finanzamt gegenüber haftet der Geschäftsführer persönlich, wenn er Steuern der Gesellschaft grob fahrlässig oder vorsätzlich nicht zahlt. Grundlage der Haftung ist in der Regel eine Verletzung der Buchführungs- und/oder Steuererklärungspflicht.

Außerdem haftet er für das Nichtabführen der Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer (§ 823 Abs. 2 BGB i.V.m. §§ 266a, 14 StGB).

Besonders virulent: Haftung für Insolvenzverschleppung

Dazu kommt eine besonders gefährliche Haftungsfalle: Wenn die Gesellschaft finanziell in Schieflage gerät, haften GmbH-Geschäftsführer für einen verspätet gestellten Insolvenzantrag (§ 15a InsO).

Sie müssen spätestens innerhalb von drei Wochen ab Eintritt der Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen. Wann dieser Punkt erreicht ist, hat die Rechtsprechung sehr klar definiert.

In der Realität erfolgt der Insolvenzantrag trotzdem oft erst Monate, nachdem dies notwendig wäre. Dadurch werden Geschäftsführer in der Regel sowohl gegenüber den Gläubigern wie auch gegenüber der GmbH selbst schadenersatzpflichtig. Und das in unbeschränkter Höhe – sie haften grundsätzlich mit ihrem gesamten Privatvermögen.

Die Pflicht zur Stellung eines Insolvenzantrags trifft jeden einzelnen Geschäftsführer, ob er intern für die Finanzen zuständig ist oder nicht. Dieser Punkt ist wichtig in einer GmbH mit Ressortverteilung.

Geschäftsverteilungsplan und Ressortverteilung

In der Regel sind es die Gesellschafter der GmbH, die eine Ressortverteilung unter mehreren Geschäftsführern vornehmen. Oft wird diese schon im Gesellschaftsvertrag festgelegt. Allerdings muss in diesem Fall zwangsläufig der Gesellschaftsvertrag geändert werden, um die Zuständigkeiten neu zu justieren.

Flexibler ist es, die Ressortverteilung durch einen Gesellschafterbeschluss festzulegen. Dann kann durch einen weiteren Gesellschafterbeschluss die Geschäftsverteilung jederzeit abgeändert werden. Auch eine Geschäftsordnung für die Geschäftsführer kann per Gesellschafterbeschluss erlassen werden, die einen Geschäftsverteilungsplan enthält.

Haben die Gesellschafter keine derartige Regelung festgelegt, können die Geschäftsführer unter sich eine Ressortaufteilung vornehmen und durch einen Gesellschafterbeschluss absegnen lassen.

Ressortverteilung schützt nicht vor Haftung

Viele GmbH-Geschäftsführer machen sich nicht klar, dass sie trotz klarer Aufteilung der Ressorts und Zuständigkeiten für Fehler haften, die dem Geschäftsführerkollegen unterlaufen. Und das sowohl gegenüber den Gläubigern der Gesellschaft als auch gegenüber der GmbH selbst.

Dass Ressortaufteilung keinen Schutz vor Haftung bietet, macht ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf deutlich (OLG Düsseldorf, 16.09.2014, I-21 U 38/14). Die Richter entschieden, dass ein Geschäftsführer aufgrund seiner „Allzuständigkeit“ für die fehlende Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen haftet. Er habe das Ausbleiben der Zahlungen zu verantworten. Dabei war der Geschäftsführer intern für einen anderen Geschäftsbereich zuständig und nicht einmal befugt, Zahlungsanweisungen zu tätigen.

Überwachungspflicht gegenüber Geschäftsführerkollegen

Der Fall macht deutlich: Grundsätzlich besteht für jeden Geschäftsführer eine sogenannte All-Zuständigkeit bzw. Generalzuständigkeit bezüglich sämtlicher Pflichten, die das Unternehmen betreffen.

Die Geschäftsführer können zwar Aufgaben und Pflichten untereinander nach Kenntnissen, Neigungen und Fähigkeiten aufteilen, solange sie dabei die Grundsätze einer ordnungsgemäßen Unternehmensführung beachten. Dann haben sie untereinander jedoch die Überwachungspflichten, die für Geschäftsführer gelten, wenn sie Aufgaben an Untergebene delegieren.

Das bedeutet: Jeder GmbH-Geschäftsführer sollte stets ein wachsames Auge auf den oder die Kollegen haben. Er hat eine Aufsichts- und Eingreifpflicht für den Fall, dass ein Mitgeschäftsführer seine Pflichten nicht, nicht fristgerecht oder nur unvollständig erfüllt. Nur wenn ein Geschäftsführer nachweisen kann, dass er den Kollegen ausreichend überwacht hat, hat er eine Chance, sich zu entlasten.

Gesteigerte Überwachungspflicht in Krisenzeiten

Der in Haftung genommene Geschäftsführer wollte sich damit entlasten, die Sozialversicherungsbeiträge seien nie sein Aufgabengebiet gewesen. Er sei ja nur für den Vertrieb sowie für Entwicklung und Produktion zuständig gewesen. Das ließ das OLG Düsseldorf nicht gelten.

Gerade in Krisenzeiten, so die Richter, bestehe eine gesteigerte Überwachungspflicht. Der Geschäftsführer dürfe nicht einfach dem „Alles erledigt“ des Mitgeschäftsführers vertrauen. Er müsse sich selbst vergewissern, ob die Sozialversicherungsbeiträge auch tatsächlich abgeführt worden seien.

Einen Nachweis dafür, seinen Geschäftsführungskollegen ausreichend überwacht zu haben, konnte der beklagte Geschäftsführer jedoch nicht erbringen.

Die Lösung: Systeme für Compliance- und Risiko-Management

Nun kann in der Realität kein Geschäftsführer jede möglicherweise haftungsrelevante Entscheidung und Handlung seiner Mitgeschäftsführer überwachen, indem er diesen ständig über die Schulter schaut.

Deshalb lässt sich die Haftung eines GmbH-Geschäftsführers für Fehler seiner Mitgeschäftsführer bei Ressortaufteilung nur wirksam reduzieren, wenn rechtzeitig Informations-, Kontroll- und Interventionsmechanismen im Unternehmen installiert werden. Compliance- und Risikomanagementsystemen sind ein wichtiges Mittel zur Vorsorge. Sie helfen nicht nur, Regel- und Pflichtverstöße zu verhindern. Sie schützen auch vor Haftungsansprüchen.

 

 

 

 

 

 

GmbH in schwerer See: Von Bugwellen und Zahlungsunfähigkeit

Ab wann besteht Zahlungsunfähigkeit?

Ab welchem Zeitpunkt genau tritt bei einer GmbH Zahlungsunfähigkeit ein? War die Gesellschaft zum Stichtag XY bereits zahlungsunfähig? Solche Fragen sind alles andere als abstrakt. Sie entscheiden darüber, ob dem Geschäftsführer später ein Verfahren wegen Insolvenzverschleppung droht oder nicht.

Der Bundesgerichtshof hat dazu vor einiger Zeit ein wichtiges Urteil gefällt (BGH, 19.12.2017, II ZR 88/16). Es hat unmittelbare Auswirkung auf jede Krisen-GmbH, und auf die Haftung ihrer Geschäftsführer.

Um den Eintritt der Zahlungsunfähigkeit und damit den Zeitpunkt für den Insolvenzantrag nicht zu verpassen, bleibt dem Geschäftsführer einer GmbH in der Krise nichts anderes übrig, als in regelmäßigen Abständen eine Liquiditätsbilanz zu erstellen. Und zwar lieber zu oft als zu selten: Unter Umständen kann das zur täglichen Pflicht werden.

Eine Existenzfrage – oft auch privat

Wenn Ihre GmbH finanziell schwierige Zeiten durchmacht oder die Insolvenz bereits eingetreten ist, sollten Sie sich von einem erfahrenen Anwalt beraten zu lassen. Sonst droht nicht nur die Insolvenz, sondern möglicherweise auch der persönliche Ruin.

Als Rechtsanwalt für Wirtschaftsstrafrecht und Fachanwalt für Gesellschaftsrecht bin ich häufig mit Fragen zur Zahlungsunfähigkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt konfrontiert. Oft genug geht es dabei auch um die private Existenz. Als Rechtsanwalt für Wirtschaftsrecht kenne ich diese Art Situation und weiß, worauf es ankommt. Rufen Sie mich an, wenn Sie Fragen haben!

Liquiditätsbilanz bislang: ohne „Passiva II“

Bis zu dem genannten Urteil sah die höchstrichterliche Rechtsprechung es so:

  • Die Liquiditätsbilanz sollte auf der Aktiva-Seite alle zum Stichtag der Erstellung verfügbaren Mittel aufweisen (Aktiva I), und dazu alles, was innerhalb von drei Wochen flüssig zu machen war (Aktiva II).
  • Auf der Passiva-Seite war dagegen nur das aufzulisten, was zum Stichtag selbst an Verbindlichkeiten bestand (Passiva I), und von den Gläubigern ernsthaft eingefordert wurde.

Diese Vorgabe führte zu einem gewissen Ungleichgewicht: die Passiva II, also alle Verbindlichkeiten, die im Drei-Wochen-Zeithorizont ab Stichtag fällig wurden, blieben außen vor. Diese Verbindlichkeiten konnte die GmbH wie eine „Bugwelle“ vor sich herschieben, weshalb Fachleute von der Bugwellentheorie sprechen. Doch damit ist es mittlerweile vorbei.

Jetzt mit Passiva II – schneller in der Zahlungsunfähigkeit

In dem oben genannten Urteil begründen die BGH-Richter sehr ausführlich, dass die zur Ermittlung der Zahlungsunfähigkeit aufgestellte Liquiditätsbilanz (gemäß § 17 Abs. 2 S. 1 InsO) auch die Passiva II umfassen muss. Alle innerhalb von drei Wochen nach dem Stichtag fällig werdenden Verbindlichkeiten müssen Berücksichtigung finden.

Eine Zahlungsunfähigkeit liegt also vor, wenn sich für die Dauer von drei Wochen ab Stichtag der Liquiditätsbilanz zwischen den vorhandenen oder zu beschaffenden Zahlungsmitteln einerseits und den fälligen oder fällig werdenden Verbindlichkeiten andererseits eine Liquiditätslücke von mehr als 10 Prozent ergibt.

Umgekehrt gesagt: Der Deckungsgrad muss auf Drei-Wochen-Sicht mindestens 90 Prozent erreichen, um den sofortigen Gang zum Insolvenzgericht zu vermeiden.

Konsequenz für die Praxis

  • Die Passivseite der Liquiditätsbilanz fällt in Zukunft meist um einiges höher aus als bis dato mit der Bugwellentheorie.
  • Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Zeitpunkt der Zahlungsunfähigkeit früher eintritt – und damit die Pflicht für den oder die Geschäftsführer, Insolvenzantrag zu stellen (§ 15a InsO).

Übrigens: Längst nicht alle Gesellschaften, so meine Erfahrung, haben wirklich Überblick über die Fälligkeiten ihrer Forderungen oder verfügen gar über eine ausgefeilte Kreditorenbuchhaltung. Der Insolvenzverwalter dagegen hat später Zugriff auf die elektronische Buchhaltung. Anhang der GDPdU-Daten kann er auch im Nachhinein eine Liquiditätsbilanz aufstellen und so gegebenenfalls nachweisen, dass schon vor dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens eine Zahlungsunfähigkeit vorgelegen hat.

Mit den neuen Vorgaben besteht die Gefahr, früher in die Insolvenzfalle zu tappen als bisher. Wer als GmbH-Geschäftsführer trotz Zahlungsunfähigkeit keinen Insolvenzantrag stellt, muss mit Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung rechnen und damit, in Haftung genommen zu werden.

 

 

 

Compliance, Haftung und Schadenersatz aus Sicht des Rechtsanwalts

Der Begriff Compliance ist längst fester Teil der Wirtschaftssprache. Wörtlich bezeichnet er die Regel- und Gesetzestreue.

Gemeint ist, dass ein Unternehmen gesetzliche Vorschriften, aber auch Norm-Vorgaben, ethische Maximen und Regeln aus Selbstverpflichtungen konsequent einhält und intern dafür sorgt, dass das die Regeltreue Teil der Unternehmenskultur ist und nicht allein auf gutem Willen oder Zufall beruht.

Als Rechtsanwalt habe ich regelmäßig mit Compliance-Verstößen und ihren Folgen zu tun. In einer solchen Situation kann ich dabei helfen, dass die Auswirkungen möglichst gering ausfallen.

Ein Compliance-Verstoß kann Verschiedenes bedeuten:

Ein Compliance-Verstoß bedeutet

  • … zunächst einmal, dass ein Gesetz (oder eine sonstige Vorschrift oder Regel) nicht beachtet wurde. Beispiel: Der Leiter eines Vertriebsteams hat mit der Konkurrenz eine verbotene Preisabsprache getroffen, klarer Verstoß gegen Wettbewerbsrecht.
  • … zweitens, dass das Delikt nicht verhindert wurde: Vielleicht wusste der Abteilungsleiter von der Absprache, ist aber nicht eingeschritten.
  • … und drittens, dass die Unternehmensleitung ihren Organisations- und Überwachungspflichten nicht nachgekommen ist: Sie hat kein Compliance-System installiert, damit durch Schulung, Kontrolle und Organisationsvorgaben Preisabsprachen gezielt verhindert werden.

Bei einem Compliance-Verstoß kann es also um Verstöße gegen Regel- und Gesetzestreue auf mehreren Hierarchieebenen gehen. Zentral für das Management ist die Aufgabe, im Unternehmen ein internes Sicherungs- und Kontrollsystem einzurichten. Fehlt es, oder ist das installierte Compliance-System nicht funktionsfähig, drohen Schadenersatzansprüche.

Ein Compliance-System kann vor Haftung schützen und Bußgelder abmildern

  • Eine gut aufgestellte Compliance kann nach einem Gesetzesverstoß im Unternehmen das Management vor der Haftung schützen.
  • Fehlen dagegen Compliance-Maßnahmen, erhöht sich das Risiko der Haftung beträchtlich.
  • Selbst nach einem Gesetzesverstoß bringt aktives Bemühen um ein funktionierendes Compliance-System noch Punkte: Das kann sich günstig auf die Höhe drohender Strafen oder Bußgelder auswirken.

Vor was ein Compliance Management System schützt

Ein Compliance-System ist ein (in der Regel softwarebasiertes) Organisationskonzept, das Kontrollverfahren und Kommunikationsabläufe festlegt, um pflichtkonformes Handeln sicherzustellen.

Es soll das Unternehmen vor Gesetzesverstößen durch das eigene Management und die eigenen Mitarbeiter bewahren. Wenn es funktioniert, bietet es somit Schutz vor Bußgeldern und Schadenersatzansprüchen sowie anderen Folgen von Verstößen wie Imageverlust oder Vertragsstrafen.

Dabei können je nach Branche, Unternehmensgröße und Positionierung unterschiedliche Vorschriften im Zentrum stehen: beispielsweise Steuervorschriften, Vorgaben der BaFin, die Strafrechtsvorschriften gegen Korruption, Datenschutzrecht, Vergaberegeln, abfallrechtliche und Umweltauflagen sowie Bilanz- und Buchführungsvorschriften handelsrechtlicher Art. Es kann aber auch um Vorgaben aus Normen wie beispielsweise ISO/IEC 27001 gehen oder um Selbstverpflichtungen wie für Gütesiegel, die Lieferketten ohne Kinderarbeit signalisieren.

Welches System installieren?

Welches Compliance-System das richtige ist, hängt von der Branche, der Größe und weiteren Faktoren ab. Der Markt ist jedenfalls groß.

Je nach Unternehmensgröße, Geschäftstätigkeit und Branche gibt es unterschiedliche Anforderungen an ein Compliance-System. Dazu gehören beispielsweise Vorgaben aus folgenden Quellen:

  • der Standard für Compliance Management Systeme (TR CMS 101) des TÜV Rheinland
  • die ISO 19600 als internationaler Standard für Compliance-Management-Systeme
  • die ISO-Standards für Qualitätsmanagementsysteme (ISO 9001)
  • der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK)
  • das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG)
  • die Eigenkapitalvereinbarungen Basel II und III
  • das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG)
  • der US-amerikanische Sarbanes-Oxley-Act.

Compliance und Gesellschaftsrecht

Wie eng Compliance und Gesellschaftsrecht zusammenhängen, zeigen ein paar Schlaglichter:

  • Zur Pflicht von GmbH-Geschäftsführern gehört es, ein Überwachungssystem einzurichten, mit dem sie die wirtschaftliche Situation des Unternehmens jederzeit überprüfen können. Das ergibt sich aus §§ 30, 43a GmbHG, § 15a InsO.
  • Bei mehreren Vorständen oder Geschäftsführern tragen diese die Verantwortung gemeinsam. Sie müssen also zusammenarbeiten und sich untereinander austauschen. Besteht der Verdacht, dass es im eigenen Ressort Unregelmäßigkeiten gibt, müssen Mit-Vorstände oder -Geschäftsführer informiert werden. Außerdem müssen sich die Leitungsorgane gegenseitig zumindest im Auge behalten. (Eine grundsätzliche Haftung füreinander besteht allerdings nicht.)
  • Auf die Finger schauen sollten Geschäftsführer und Vorstände auch den nachgeordneten Mitarbeitern. Die Unternehmensleitung muss Schlupflöcher für krumme Touren durch Mitarbeiter verschließen. Das beginnt bei der Mitarbeiterauswahl und reicht über Schulungen bis zum Sicherstellen der Aufklärung, wenn es doch Rechtsverstöße gab.
  • Besonders heikel sind oft internationale Geschäfte. Geschäftsanbahnung durch Schmiergelder im Ausland ist in Deutschland strafbar (§§ 334, 299 Abs. 3 StGB, EU-BestG). Das gilt auch dann, wenn in dem betreffenden Staat Bestechung zum Alltag gehört.

Welche Folgen drohen bei einem Compliance-Verstoß?

  • Das Unternehmen kann von Vorständen beziehungsweise Geschäftsführern Schadenersatz fordern (u. a. §§ 91, 93, 116 AktG).
  • Dem Unternehmen droht die Einziehung des gesamten wirtschaftlichen Vorteils, der dabei erlangt wurde. Von der Einziehung kann also mehr als nur der reine Gewinn aus dem Geschäft erfasst sein.
  • Besonders teuer können Schadenersatzansprüche von Wettbewerbern sein (§ 33 GWB). Dazu kommen möglicherweise Wettbewerbsnachteile und ein entsprechender Imageschaden.
  • Das Finanzamt reagiert mit einem Abzugsverbot (d. h. kein Vorsteuerabzug, keine Berücksichtigung von Betriebsausgaben). Außerdem droht eine Schätzung. Der Vorgang wird an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.
  • Das Rating des Unternehmens gerät ins Wanken, die Finanzierung wird teurer.
  • Öffentliche Aufträge sind in Gefahr (Sperre auf nationaler Ebene, international Aufnahme in die „Black List“).

Praxisfall: Mangelnde Compliance, 15 Mio. Euro Schadenersatz

2013 verurteilte das Landgericht München einen Siemens-Vorstand dazu, dem Unternehmen Schadenersatz in Höhe von 15 Mio. Euro zu leisten (LG München I, Urteil vom 10.12.2013, 5 HK O 1387/10). Hintergrund war ein System schwarzer Kassen, aus denen Schmiergelder zur Geschäftsanbahnung im Ausland geflossen waren.

Den Siemens-Vorständen war daraufhin vorgeworfen worden, kein funktionierendes Compliance-Management-System im Unternehmen eingerichtet zu haben. Neun von zehn Vorständen stimmten einem Vergleich zu. Der zehnte ließ es auf ein Urteil ankommen – und wurde mittelbar für die schwarzen Kassen verantwortlich gemacht, auch wenn diese keineswegs in seinem Verantwortungsbereich angesiedelt waren und er keine Ahnung von den Vorgängen hatte.

Trotzdem, so die Richter, hätte es zu seinen Leitungs- und Organisationsaufgaben gehört, für die Einhaltung der relevanten und für das Unternehmen einschlägigen Vorschriften sowohl durch das Unternehmen selbst als auch durch seine Mitarbeiter zu sorgen. Da er diese Pflicht verletzt hatte, war er auch ohne persönliche Verwicklung schadenersatzpflichtig.

BGH: Einrichtung eines Compliance-Management-Systems kann die Geldbuße verringern

Es gibt andererseits auch Urteile, die Hoffnung machen. So hat der BGH bekräftigt, dass die Einrichtung eines Compliance-Management-Systems das Bußgeld gegen das Unternehmen senken kann – und zwar auch dann, wenn bereits ein Verfahren eingeleitet wurde.

Ein in Reaktion auf einen Pflichtverstoß eingerichtetes, ordnungsgemäß funktionierendes Compliance-Management-System wirkt sich damit strafmildernd aus. Das gilt selbst dann, wenn es später trotz des vorhandenen Systems erneut zu Compliance-Verstößen kommt und sich die Unternehmensleitung dazu entschließt, Anpassungen vorzunehmen, um künftige Verstöße zu vermeiden. Entscheidend ist das aktive Bemühen um funktionierende Compliance.

Fazit

  • Wenn Geschäftsführer und Vorstände nicht für funktionierende Compliance-Maßnahmen sorgen, droht Ihnen die persönliche Haftung.
  • Als Geschäftsführer oder Vorstand sollten Sie deshalb immer die Gefahr von Schadenersatzansprüchen im Auge haben, wenn es im Unternehmen zu Unregelmäßigkeiten kommt.
  • Das gilt auch dann, wenn die Vorkommnisse in den Verantwortungsbereich eines Mitgeschäftsführers oder Vorstandskollegen fallen.
  • Selbst ein eingerichtetes Compliance-System ist kein Garant für Haftungsfreiheit. Im Falle eines Prozesses kommt es darauf an, ob der Richter das System als ausreichend einschätzt.
  • Zeigt ein Rechtsverstoß Schwachstellen auf, ist es wichtig, schnell geeignete Compliance-Maßnahmen einzuführen. Das kann die Strafe oder das Bußgeld senken.

Fragen Sie mich

Wenn möglicherweise ein Compliance-Verstoß vorliegt kann ich als Rechtsanwalt für Wirtschaftsrecht und Wirtschaftsstrafrecht Ihnen schnell sagen, was Ihnen oder Ihrem Unternehmen droht. Außerdem berate ich Sie konkret zum weiteren Vorgehen. Mit Compliance kenne ich mich als Fachanwalt für Steuerecht sowie Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht genau aus.